03 Programm und Formate

Wie wird aus einzelnen Programmpunkten ein stimmiger Ablauf?

Welches Format hilft dem Inhalt, der Gruppe und dem Ziel in diesem Moment?

Du kannst Formate begründen, Bausteine kombinieren und ein Programm mit sichtbaren Ergebnissen bauen.

Die kurze Antwort: Wähle ein Eventformat nicht nach Gewohnheit oder Showeffekt. Entscheide zuerst, was die Menschen in einem Programmpunkt tun sollen, wie viel Führung sie brauchen und welches Ergebnis entstehen muss. Danach ordnest du Information, Inspiration und Interaktion zu einer Dramaturgie. Das Eventformat-Handbuch hilft bei der Auswahl mit weiteren Kriterien: Vorbereitungsaufwand, Gruppengröße, technische Voraussetzungen und Eignung für digitale oder hybride Settings. Ein gutes Programm zeigt diese Entscheidungen in seinen Übergängen.

Das 3-Is-Framework ist ein Prüfstand

Information beantwortet, was und warum. Inspiration öffnet eine neue Perspektive und macht eine Möglichkeit vorstellbar. Interaktion lässt Menschen sprechen, üben, entscheiden oder etwas bauen. Die meisten Programme sind bei Information stark und bei den beiden anderen Dimensionen zufällig. Das Framework macht diese Schieflage sichtbar.

Bewerte nicht nur das Gesamtprogramm. Prüfe jede wichtige Phase: Was soll hier im Kopf passieren, was im Gefühl und was im Verhalten? Ein Panel kann informieren und inspirieren, braucht aber eine bewusste Frage oder Beteiligung, wenn es nicht bei austauschbaren Statements bleiben soll.

Information Die Gruppe versteht einen Zusammenhang, eine Methode oder eine Entscheidung.
Inspiration Die Gruppe sieht eine neue Möglichkeit, Perspektive oder persönliche Geschichte.
Interaktion Die Gruppe spricht, übt, bewertet, baut oder entscheidet selbst.

Wähle das Format nach der Aufgabe

Ein Panel ist nicht automatisch schlecht. Ein Workshop ist nicht automatisch sinnvoll. Für unterschiedliche Standpunkte kann ein moderiertes Panel richtig sein. Für eine gemeinsame Lösung brauchst du vielleicht ein World Café oder Design Thinking. Für den Aufbau einer offenen Agenda ist ein Barcamp passend, aber nur, wenn die Gruppe Verantwortung übernehmen will. Für ein konkretes Ergebnis kann ein Hackathon funktionieren, wenn Aufgabe, Betreuung und Bewertung geklärt sind.

Schreibe vor jedem Programmpunkt einen Satz: „Nach diesem Programmpunkt können die Teilnehmenden ...“ Wenn du diesen Satz nicht beenden kannst, ist das Format noch nicht entschieden. Prüfe danach, was Menschen brauchen, damit sie die Handlung wirklich ausführen können.

  • Panel: Standpunkte sichtbar machen, Speaker nach Perspektiven und nicht nur nach Jobtiteln auswählen.
  • Barcamp: Offenheit, Eigeninitiative, klare Regeln und eine Gruppe, die Sessions selbst mitträgt.
  • F*ck-Up Stories: echte Fehler, psychologische Sicherheit, Lernpunkte und klare Grenzen für Aufzeichnung und Zitate.
  • Pitch-Wettbewerb: gleiche Bedingungen, transparente Kriterien, vorbereitete Jury und anschließendes Feedback.
  • Networking-Runde: konkrete Leitfrage, feste Gesprächsstruktur und eine Moderation, die den Einstieg erleichtert.
  • Hackathon: klare Aufgabe, passende Teams, Mentoring, Prototyp oder Ergebnis und ein fairer Abschluss.

Bühnenformate brauchen ihre eigene Logik

Das Eventformat-Handbuch zeigt, wie sich ein klassischer Vortrag in eine passende Aufgabe übersetzen lässt. Ein Power Talk verdichtet Expertise über vorbereitete Fragen. Eine Sofa-Session schafft Nähe und Raum für persönliche Einblicke. Eine Out-of-the-Box-Keynote bringt einen fremden Blickwinkel ein. Pecha Kucha zwingt Inhalte in eine visuelle, vorbereitete Form. Keines dieser Formate ist per se besser. Der Nutzen entsteht durch Passung und Vorbereitung.

Bereite Speaker und Moderation so vor, dass sie die Regeln verstehen und proben können. Bei einem Pitch müssen Kriterien und gleiche Bedingungen für alle gelten. Bei einem Panel braucht die Moderation echte Gegenpositionen und eine Frage, die mehr als Zustimmung erzeugt. Bei einer persönlichen Geschichte braucht die Person einen sicheren Rahmen, nicht nur ein Mikrofon.

Baue Übergänge, nicht nur Programmpunkte

Ein Programm kann gute Einzelteile enthalten und sich trotzdem zäh anfühlen. Der Grund liegt oft zwischen den Programmpunkten. Wer erklärt, warum die nächste Perspektive folgt? Wo wird ein Ergebnis aus der vorherigen Phase aufgenommen? Wann wechselt die Gruppe von Zuhören zu Handeln? Diese Übergänge sind redaktionelle Arbeit, keine Nebensache der Regie.

Plane außerdem Puffer und einen Plan für Verzögerungen. Ein Ablauf ohne Puffer bricht beim ersten Ausfall. Ein belastbarer Ablauf sagt, welcher Programmpunkt gekürzt werden kann, welcher nicht entfallen darf und wer diese Entscheidung trifft.

Verteile Aufmerksamkeit und Energie

Menschen können nicht den ganzen Tag aufmerksam zuhören, diskutieren und entscheiden. Plane deshalb nicht nur die Länge eines Programmpunkts, sondern auch die Belastung davor und danach. Nach einer dichten Informationsphase braucht es eine Pause, Bewegung oder eine Aufgabe mit niedrigerer Einstiegshürde. Nach einer offenen Diskussion braucht es eine Verdichtung, damit die Gruppe nicht mit vielen losen Gedanken weiterzieht.

Markiere im Ablauf die Stellen, an denen die Energie steigen, sinken oder sich neu sammeln soll. Ein ruhiger Einstieg kann sinnvoll sein. Ein Wechsel zur Beteiligung sollte aber angekündigt und angeleitet werden. Wenn du nur „mehr Interaktion“ verlangst, überlässt du den wichtigsten Übergang dem Zufall.

Belastung Wie viel Information, Bewegung, soziale Offenheit oder Entscheidung verlangt die Phase?
Wechsel Welche Handlung führt die Gruppe in den nächsten Zustand?
Puffer Wo darf ein Gespräch länger dauern, ohne den ganzen Ablauf zu beschädigen?
Ergebnis Was bleibt sichtbar, bevor die Gruppe weitergeht?

Speaker brauchen einen klaren Arbeitsauftrag

Die Vorbereitung eines Speakers sollte nicht nur Datum, Länge und Dateiformat nennen. Sie muss erklären, welche Frage die Person beantwortet, was die Zielgruppe bereits weiß und welcher Beitrag im Ablauf gebraucht wird. Bitte um ein klares Beispiel, eine These oder eine Entscheidungshilfe statt um eine allgemeine Einführung in das Thema.

Plane ein Gespräch, eine Inhaltsprüfung und eine technische Probe. Bei Panels prüfst du Perspektiven und mögliche Wiederholungen. Bei Pitches klärst du Kriterien, gleiche Bedingungen und das Feedback nach der Entscheidung. Bei F*ck-Up Stories klärst du Einwilligung, Aufzeichnung, Grenzen und Lernpunkt. Gute Vorbereitung ist Teil des Formats, nicht Zusatzarbeit kurz vor dem Einlass.

  • Die Person kennt Zielgruppe, Frage, Ergebnis und ihren Platz in der Dramaturgie.
  • Beispiele, Fachbegriffe und Folien sind auf das vorhandene Wissen abgestimmt.
  • Moderation und Speaker haben kritische Fragen und Übergaben vorher besprochen.
  • Technik, Untertitel, Präsentation und Aufzeichnung sind geprüft.

Planungsblatt

Programmpunkt prüfen

Bewerte einen geplanten Programmpunkt nach Ziel, Gruppe, 3 Is, Ressourcen und einem sichtbaren Ergebnis.

Deine Eingaben bleiben in diesem Browser. Du kannst sie jederzeit drucken, als PDF speichern oder kopieren.

Beginne mit einem Verb.

Begründe die Wahl mit Ziel und Gruppe.

Markiere, was der Programmpunkt leistet und was er nicht leisten muss.

Definiere ein beobachtbares Signal.

Noch keine Eingaben gespeichert.

Weiterarbeiten

Diese Auswahl führt dich zu passenden Artikeln, Werkzeugen, Vorlagen, Fallbeispielen und Angeboten aus der PIRATEx-Wissensbibliothek.